| |
Frau Chefin geht...
|
|
|
|
|
| |
|
Frau Chefin geht...
.:. Cutterin
Monika Solzbacher
am 09.05.05 um 20:30 Uhr
zu Gast im Kino achteinhalb .:.
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
| |
|
Durchwahl 2870. Belegt. Warten. Noch immer besetzt. Chefcutterin
ist ein busy Job. Abnahmen, Sitzungen, Kommissionen, Dienstreisen
und natürlich Leute wie ich, die Termine wollen. Schnitt-Termine.
Die
Chefcutterin ist eine Institution. Sie "regiert"
ihre Damen. Ordnet Cutterinnen Filmen und Realisatoren zu.
Schnitt-Tage. Schnittwochen. Wer mit wem kann, sollte oder
uss, liegt in ihrer Hand und damit auch die "Chemie"
zwischen Filmemacher und Cutterin. Monika Solzbacher kannte
stets ihre Pappenheimer. Wusste um Stärken und Schwächen,
Eitelkeiten und Kapriolen ihrer Klientel, die nur eins wollte
- Filme schneiden. Früh hat sie erkannt, das die Entwicklung
des Fernsehns den Autor / Realisator begünstigt, der
oft eher dem Wort als der Bildsprache zugewandt war. Folgerichtig
sah sie die wachsende Bedeutung der Cutterinnen, deren Arbeit
sie anerkannt und gewürdigt wissen wollte. In einer
Zeit, in der Fernsehmacher das Credo ausgeben: "Rausgehen
und drehen, denn dafür bekommen wir unser Geld"
und so die Macht der Bilder schwächen, ist die Cutterin
ein wichtiges Korrektiv gegen das spontane, oberflächliche
Bilderchaos, das oft als "mediengestaltete" Reality
angepriesen wird.
Die
Cutterin schneidet, so paradox es klingt, den Film nicht
auseinander sondern zusammen. Einstellung, Szene. Sequenz.
Was, wie, wann einander passt - da hat die Cutterin nicht
nur einen Mausklick mitzureden. Vor allem beim Film ohne
Drehbuch: Feature, Dokumentation, Magazinbeitrag. Wenn der
Film am Schneidetisch entsteht, entscheidet das Denken in
Bildfolgen über Qualität und damit auch letztendlich
über die Akzeptanz des Zuschauers.
Als
Cutterin am Schneidetisch galt Monika Solzbachers Liebe
dem inszenierten Film. Mit Hans Christoph Blumenberg montierte
sie Tatorte, mit Truck Branss Musiksendungen und mit Martin
Buchhorn stritt sie über Drehbücher. Streitkultur
sah sie als Teil ihrer Arbeit. Stets im Sinn der Definition
der Cutterarbeit des Medienkundlers Peter Kerstan: "Die
Cutterin muss ihren Erlebnishorizont für die Story
des Films aus dem ungeschnittenen, ausgelieferten Material
gewinnen. Für sie gibt es keine andere Realität."
Nach mehr als 40 Jahren verlässt Monika Solzbacher
diese Realität.
|
|
|
|
| |
|
Über
Monika Solzbacher...
|
|
|
|
| |
|
Monika Solzbacher arbeitete von 1962 bis 2005 beim Saarländischen
Rundfunk. Sie begann als Bildtechnikerin, arbeitete dann
als Bildmischerin, schließlich als Cutterin. Seit 1991 leitete
sie als Chefcutterin den Bereich Schnitt beim Saarländischen
Rundfunk.
Monika Solzbacher blickt auf unzählige Produktionen zurück.
Sie hat Fernsehfeature genauso gemacht wie Dokumentarfilme
und Fernsehfilme. Szenische Produktionen sind jedoch ihr
bevorzugtes Arbeitsfeld. Spielfilme, die mehrfach mit Preisen
ausgezeichnet wurden, sind u.a.
Bremer Freiheit (Rainer Werner Fassbinder)
Fraulein (Michael Haneke)
Troublemaker (Andy Bausch)
Sag Oma Gute Nacht (Niklas Gessner)
Die Rückkehr der Zeitmaschine (Jürgen Klauß)
Elsa (Hartmut Griesmayr)
Tiritomba (Ulrich Heising)
Die Mitwisser (Ulrike Neulinger)
Da Capo (Bernd Schröder)
sowie alle bisherigen "Tatort"- Folgen des Saarländischen
Rundfunks mit den Regisseuren H.C. Blumenberg, Michael Mackenroth,
Peter Schulze- Rohr, Martin Buchhorn.
Eine Herzensangelegenheit von Monika Solzbacher ist der
künstlerische Nachwuchs in ihrer Branche. So hat sie die
Schnittbetreuung von diversen Diplomfilmen von Studierenden
deutscher Filmhochschulen wie Ludwigsburg oder Babelsberg
übernommen. Sie erhielt eine Berufung in das Bundesministerium
für Berufsbildung und erarbeitete dort u.a. die Ausbildungskonzepte
für Cutter und Bildmischer. Auch im Födergremium der ehem.
saarländischen kulturellen Filmförderung hatte Monika Solzbacher
Sitz und Stimme.
Im Rahmen der "Filmwerkstatt" zeigen wir
Bremer Freiheit BRD 1972,
Regie: Rainer Werner Fassbinder, Dietrich Lohmann;
B: R.W.F.,
K: Dietrich Lohmann, Hans Schugg, Peter Weyrich,
S: Monika Solzbacher, Friedrich Niquet,
D: Margit Carstensen, Ulli Lommel, Wolfgang Schenk, Walter
Sedlmayr, Kurt Raab, Hanna Schygulla, Rainer Werner Fassbinder,
Lilo Pempeit,
Drehort: Saarbrücken, Studio Telefilm Saar,
Drehzeit: 9 Tage, Farbe, 87 Min, beta sp
Bremen im frühen 19. Jahrhundert. Geesche, eine junge Frau,
vergiftet Miltenberger, ihren Mann, weil er sie tyrannisierte.
Auch ihrer Mutter verabreicht sie Gift; sie erträgt deren
Vorhaltungen wegen ihres unmoralischen Lebenswandels nicht
mehr. Geesche tötet ihre beiden Kinder, weil sie mit ihrem
durchdringenden Geschrei jeden Mann vertreiben. Sie zwingt
ihren Geliebten, von dem sie angeblich ein Kind erwartet,
zur Ehe. Die groteske Zeremonie findet statt, als ihr Gift
bei ihm schon zu wirken beginnt. Nun folgt ein Mord auf
den anderen... Der Film geht auf einen authentischen Fall
der Bremer Stadtgeschichte zurück. Die Bürgersfrau Geesche
Gottfried, verwitwete Miltenberger, hat im Laufe vieler
Jahre 15 Personen umgebracht, genoss aber dennoch das Ansehen
einer ehrbaren, gottesfürchtigen Frau, denn die Giftmorde
wurden nicht als solche erkannt. 1831 schließlich doch entlarvt,
wurde sie bei der letzten öffentlichen Hinrichtung in Bremen
geköpft.
„Natürlich ist BREMER FREIHEIT kein einfaches Emanzipationsstück,
sondern wendet sich gegen die Emanzipation, die normalerweise
praktiziert wird. Auf der anderen Seite meine ich, dass
die Morde, die Geesche begeht, in Wirklichkeit der Versuch
der Unterdrückten ist, sich zu wehren. Das ist nur nicht
die richtige Art, und hier muss die Aufklärung einsetzen,
man muss den Leuten zeigen, wie sie sich wehren können,
ohne dabei in der Wüste zu landen.“ (Rainer Werner Fassbinder)
Monika Solzbacher wird nach der Vorführung zur Diskussion
anwesend sein.
|
|
|
|
|
|